Geschichte von Rieke

Ich weiß gar nicht so genau, wo meine Geschichte eigentlich anfängt. Aber ich fang einfach mal im Dezember 2009 an:

Meinem Opa geht's gar nicht gut. Seine Lunge ist kaputt, er bekommt nicht richtig Luft und hat auch gar keinen Appetit mehr. Es geht schnell bergab mit ihm und ich bin schockiert, wie schnell der menschliche Körper abbauen kann. Alle hoffen, dass er zumindest noch die Feiertage erlebt. Das hat er dann aber leider nicht mehr geschafft. Am 22.12. ist er morgens eingeschlafen und obwohl man damit rechnen musste, waren wir alle sehr geschockt. Die Weihnachtstage mussten wir irgendwie überstehen, da erst an dem Montag danach die Beerdigung war. Ich habe noch nie so gedrückte Weihnachten erlebt. Aber wir haben zu Hause doch das Beste draus gemacht, haben es uns gemütlich gemacht und versucht ein wenig die Außenwelt zu vergessen. Und meiner Mama ging es an dem Tag sogar einigermaßen gut, obwohl sie ihren Papa verloren hatte. Zu allemÜberfluß ging es meinem Bruder zu dem Zeitpunkt auch nicht wirklich gut: eine Entzündung im Auge mit nur noch 10 % Sehkraft und wir hatten schon die Sorge, dass er über Weihnachten im Krankenhaus bleiben muss. Zum Glück kam er morgens am Heiligabend raus!

So ging das Jahr 2009 zu Ende und ich habe nur gedacht: Im neuen Jahr wird alles besser! Aber da habe ich mich gewaltig getäuscht!

Am 26.01.2010 ging morgens um halb eins (also mitten in der Nacht) mein Handy und ich habe es sofort gehört. Sonst hätte es wohl eine Stunde klingeln können und ich hätte seelenruhig weitergeschlafen. Als ich die Nummer meines Bruders auf dem Display habe ich erst gedacht, was der mitten in der Nacht von mir möchte und ob er wohl bedenkt, dass andere Leute schlafen müssen ( mein Bruder ist Konditor). Als ich dann ranging und sich mein Vater gemeldet hat, wusste ich sofort, dass etwas passiert sein musste. Mein Herz schlug mir gleich bis zum Hals. Er sagte: "Mama geht's gar nicht gut. Wir haben schon den Notarzt da. Sie hat einen Herzinfarkt gehabt. Ich ruf dich morgen früh wieder an, wenn wir wissen in welchem Krankenhaus sie ist. Wenn noch irgendwas ist, dann meld ich mich nochmal bei dir." Ich legte auf und fing sofort an zu heulen. Ich habe zu meinem Freund gesagt, das ich nicht hoffe, dass sich Papa nochmal meldet. Dann ging mein Freund kurz auf Toilette und in dem Moment ging schon wieder mein Handy.... Mein Herz blieb stehen.... Wieder die Nummer von meinem Bruder und die Stimme von meinem Bruder: "Du musst sofort nach Hause kommen....." Da wusste ich schon Bescheid, wollte es aber nicht glauben, dass er mich wirklich deswegen anruft. Ich fragte ihn, was los sei. Und er sagte: "Sie konnten nichts mehr für Mama tun........"

In dieser Nacht ist meine Mama gestorben. An einem Herzinfarkt. Ganz schnell und plötzlich! Noch nie war der Weg nach Hause so schwer... Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, was mich dort erwartet. Aber meine Mama lag ganz friedlich im Bett - als ob würde sie schlafen. Dieses Bild werde ich wohl mein Leben lang nicht mehr vergessen.

Und einen muss ich noch dazu erzählen: Meine Mama war früher, als ich noch jünger war und noch zu Hause gewohnt habe viel krank. Sie litt unter dauernden Kopfschmerzen und Depressionen. Es gab Zeiten, in denen ging es ihr gar nicht gut. Aber in den letzten Jahren hat sie sich so gut erholt und war voller Pläne für die Zukunft. Es war alles wieder so gut! Und ich habe mich so gefreut, dass sie wieder so fit war und sie so toll aussah! Es zerbricht mir schlicht das Herz, wenn ich darüber nachdenke. Sie war so zuversichtlich!

Und nun sitz ich hier: am weinen, traurig und so allein. Klar sind alle anderen für mich da, aber meine Mama fehlt mir. Sie war immer da für mich und hat mir immer zugehört. Sie war die beste Mama, die ich mir vorstellen kann, auch wenn es ihr nicht immer gut ging. Aber grade das macht es so besonders, was wir miteinander erlebt haben. Ich vermisse sie an jeder Stelle, zu jeder Zeit und immer eben. Ich kann mir nicht vorstellen, wie mein Leben ohne Mama sein soll...

Mama, ich liebe dich so sehr!

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