Geschichte von Marie

Anfangs war es eine heile Welt. Ich hatte einen tollen Vater, eine liebe Mutter und eine großartige Schwester. Wir haben uns geliebt. Wir haben zusammen gelacht und geweint, Probleme besprochen und alles was dazugehörte. Da meine Schwester und ich beide Pferdeverrückt waren, kauften meine Eltern sich kurzerhand einen Wohnwagen und wir machten Urlaub auf einem Campingplatz mit Reitangebot. Es gefiel uns allen dort so gut, dass wir nochmal und nochmal und nochmal dorthin fuhren.
Meine Schwester und ich, damals 4 und 6 jahre alt, liefen dort immer alleine herum und so kam es, dass ich dort die Frau kennenlernte, die in der Anmeldung arbeitete. Ich war ein aufgeschlossenes Kind und mochte sie auf anhieb. Von da an war ich Tagsüber ausschließlich dort zu finden. Nach einer Weile konnte ich nur noch schlafen, wenn sie mir gute Nacht gesagt hatte. So kam sie also jeden Abend zu unserem Wohnwagen und sagte mir gute Nacht. Nach einer Zeit begann auch mein Vater an ihr gefallen zu finden. Mittlerweile weiß ich auch, dass sie dort schon eine Affäre hatten. So ging dies immer weiter und meine Eltern trennten sich. Meiner Meinung nach ein guter Schritt, der mir gefiel, da sich meine Eltern in der Zeit sowieso nur noch stritten und ich die besagte Frau, dessen Namen ich jetzt nicht nennen möchte, mochte. Nennen wir sie einfach Elke. So zogen Elke und mein Vater also zusammen und meine Schwester und ich besuchten die beiden jedes Wochenende. Sie schenkten uns ein Pferd. Wir erlebten eine schöne Zeit zusammen und ich habe die beiden so geliebt. Sie haben mir alles ermöglicht, sogar das Turnierreiten auf meinem eigenen Pferd.
Ich konnte mit ihnen über alles reden. Wir buchten einen Dauerplatz auf dem Ponyhof, den wir übrigens immernoch dort haben. Mein Vater hatte schon immer leiden mit seinen Knochen. Mit seinem Kreuz und seiner Leiste. Er hatte einen Krankenschein von mehreren Monaten...es schien alles besser zu werden. So nahte dann auch der erste Arbeitstag. Er war glücklich und alles schien wieder gut zu werden. Bis ich dann die Horrornachricht erhielt. Mein Vater war auf dem Weg zur Arbeit auf seinem Roller von einem LKW erfasst, zu Boden geschleudert und überfahren worden. Über den Kopf. Es war mein Albtraum. Er war ALLES für mich. einfach ALLES.
Wir hatten meinem Vater immer geschworen, füreinander dazusein, was wir auch hielten. Elke, meine Schwester und ich hielten zusammen. Wir haben ihr Halt gegeben in der schwierigen Zeit. Dazu muss man noch sagen, dass die früher in der Nähe des Campingplatzes wohnte und wegen meinem Vater hierher zog. Sie hatte also auch keine Familie hier. Alles was sie noch hatte waren wir. Nach wie vor waren wir jeden Wochenende bei ihr. Haben alles geopfert. Sind auf keine Parties gegangen, haben unsere Freunde vernachlässigt. Dann, keine 7 Monate nach dem Unfall sagte sie, sie habe sich neu "verliebt"...in den ehemals besten Freund meines Vaters. Er war verheiratet. Ich kam damit nicht klar. Letztes Wochenende dann fuhr ich nichtsahnend zu ihr und wer steht vor mir ?!
ER !!!
Ich dachte, ich sehe nicht recht. Nunja. Jedenfalls wird er innerhalb der nächsten 2 Monate bei "uns" einziehen und die Rolle meines Vaters einnehmen wollen.
Ich kann das so nicht und ich will das so nicht.
Ich habe mittlerweile die Entscheidung getroffen, den Kontakt abzubrechen.
So leid es mir tut, doch auch die schönste Zeit hat mal ein Ende. Von nun an gehen wir getrennte Wege. Die beiden zusammen und ich allein.

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