Und ich wollt ihr noch soviel sagen…
 
 
Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, es gibt soviel drüber zu berichten, aber ich versuche es kurz zu machen.
Als ich ca. 10 war wurde mir bewusst das mit meinen Eltern irgendetwas anders war. Wenn ich aus der Schule kam lag meine Mutter oft noch im Bett oder sie lief im Nachhemd rum, und immer stand am Kühlschrank dieses kleine Schnapsglas.


Oft gab es zwischen meinen Eltern streit weil meine Mutter Arbeitslos war und wir verschuldet waren, daher gab es wenig Geld. Morgens wenn Mama aufstand war der erste Gang zum Kühlschrank und ein „Körnchen“ trinken. Ich weiß nicht wie viele und wie oft ich, die Flaschen aus Wut in den Ausguss gekippt habe.

Oft habe ich sie angeschrieen sie solle aufhören, um Liebe gebettelt! Von ihr hab ich wenig Zuneigung bekommen, bevor sie Arbeitslos wurde ging sie von 9.-22.00Uhr arbeiten, da war für so was keine Zeit. War ein „Vaterkind“ und viel au mich eingestellt, ich weiß nicht wie viel Geld von meinem Ausbildungsgeld ich damals meinen Eltern gab damit wir was zu Essen hatten. Ihr Geld brauchten sie für Alkohol, mein Vater war inzwischen auch abhängig. Doch er ging seiner Arbeit nach und konnte auch mal ohne. Er hatte zwar mehrere „Abstürze“ mit Notarzt aber er hat sich immer wieder aufgerafft. Doch meine Mutter hasste ich irgendwie weil sie nicht auf mich und meine Schwester hörte. Meine Schwester war früh deswegen ausgezogen und hatte eine eigene Familie.

Ich hingegen war jetzt dafür verantwortlich das wenigstens die laufenden Kosten bezahlt werden. Meine Mutter wurde immer dünner und hatte gelbe Augen. Bald reichte ihr 1Flasche Korn und Papa 1 Flasche Weinbrand pro Tag nicht mehr. Der Höhepunkt kam 1996 da hatte mein Freund mit mir Schluss gemacht und ich merkte dich zieht nichts Nachhaus. Mir wurde klar, ich hatte mehr bei meinem Freund gewohnt als zuhause, das ich dort
Kaputt gehe wenn ich dort nicht wegkomme. Die nächsten Tage verbrachte ich bei Freunden und meiner Schwester, die war es auch die mir eine Wohnung besorgte. Ich fühlte mich frei aber immer noch verantwortlich, ich dachte was ist wenn sie jetzt völlig Abstürzen?
Dann rief Mama eines Abends an das Papa wieder starke Kopfschmerzen hat, und der Notarzt ihn ins Krankenhaus bringt. Dort wollte man ihn dann zum Entzug überreden, doch er sagte nur zusammen mit meiner Frau!

Inzwischen war Mama regelmäßig beim Arzt zum Ultraschall gewesen, warum hatte sie niemanden gesagt. Mein Vater konnte sie überzeugen, das sie sich auch einweisen lässt und sie dann zusammen eine Kur machen. Niemand ahnte das es ihr letzter Weg war, von da an waren es nur noch 3 Tage bis zum Tot. Freunde brachten sie ins Krankenhaus, der erste Tag wurde für Untersuchungen genutzt. Sie war 1990 schon einmal dort als sie auf der eigenen Silberhochzeit in Papas Armen zusammenbrach und man ihr dort ein stück Leber entfernte und einschickte.

Das Ergebnis erfuhren wir nie, sie wollte es nicht!
Dann hatte man ihr eine Magensonde gelegt, die Zimmernachbarin sagte uns sie hatte laut geschrieen als an ihr sie legte.(ohne Narkose)
Am nächsten Tag lag sie bereits auf der Intensivstation weil die Niere nicht mehr arbeitete.
Sie war noch bei Bewusstsein und bat mich ihre Sachen von der Station zu holen und das Geld den Kindern meiner Schwester zu geben.
Als wenn sie sagen wollte das ist das letzte was ich tue.
Einen Tag später rief meine Schwester auf der Arbeit an das unser Vater angerufen hat, wenn wir Mama noch mal sehen wollen, es geht zu Ende, sollten wir sofort kommen. Es war nur noch das Herz was schlug.
Wir fuhren hin aber ich wollte nicht glauben das es das es das letzte mal war. Tags drauf fuhren wir noch mal mit der Mutter meiner Mutter und ihres Bruders zum Abschied nehmen. Da mussten wir uns sagen lassen, von ihrem Bruder der selbst trinkt!, man hätte ja vorher schon etwas machen können. Es hätte ja nicht soweit kommen müssen, aber hat er sich je um sie gekümmert, nein er hat ihr nicht mal zum Geburtstag gratuliert.
Meine Schwester und ich verabredeten uns für den nächsten Tag im Krankenhaus, mir war schon den ganzen Tag so komisch, da beschlich uns so etwas wie eine Vorahnung.

Wir gingen zuerst zu Papa, oh er hatte besuch von Freunden, die aber sofort gingen. Dann nahm uns Papa beide in die Arme und sagte das alles vorbei sei, sie ist vor einer Stunde in seinen Armen eingeschlafen. Er riet uns nicht mehr hinzugehen, sie sei völlig entstellt und blau, er sagte behaltet sie so in Erinnerung wie sie war.
Plötzlich wurde mir bewusst wie sehr ich sie doch liebte und das ich vielleicht manchmal zu hart zu ihr war.
Wie sehr muss ich ihr wehgetan haben, die Arzthelferin ihres Hausarztes sagten mir später das sie mit Engelszungen auf sie eingeredet hatten das sie ins Krankenhaus gehen solle. Doch sie hatte sich schon aufgegeben.
Sie fühlte sich zu schwach zum Kämpfen, ich redete mir ein das es eine Erlösung für sie war, die Ärzte sagten sie müsse länger schon sehr große Schmerzen gehabt haben, sie hatte Leberzerrose.  Dann brauchten wir ja den Krankenhausbericht für die Lebensversicherung, daraus kam hervor das sie aber an einer verseuchten Blutkonserve gestorben war!

Ein Arzt aus der Verwandtschaft meiner Schwester übersetzte uns die „Medizinsprache“. Tja um endgültige Gewissheit zu bekommen, hätte man sie 3 Monate nach der Beerdigung wieder Exhumieren müssen, doch wir wollten sie „Ruhen“ lassen. Es hätte sie ja nicht wieder lebendig gemacht.
Nur vielleicht etwas mehr Geld von der Versicherung, die leider nur ein Teil zahlte.

Mein Vater hatte mehrer Entziehungskuren gemacht, leider war keine von Dauer.
Aber er ist aus der Stadt weggezogen, und hat eine Freundin die ihn leider oft auch links liegen lässt wenn er sich nicht so verhält wie sie es will.
Doch ich muss dieser Frau auch dankbar sein, sie hat einen anderen Menschen aus ihm gemacht, er pflegt sich wieder und ist mal abgesehen von seinen wenigen „Abstürzen“, immer gut drauf.

Ich habe inzwischen auch einen sehr lieben verständnisvollen Mann, bin auch dort weggezogen und Mutter einer kleinen Tochter geworden.
Die Beziehung zu meinem Vater ist sehr Eng geworden, wir telefonieren fast täglich.
Ich glaube er kommt mit Mamas Tot besser zurecht als ich, er weiß was passieren kann wenn er zuviel trinkt.
Bei mir finde ich immer noch Selbstvorwürfe und frage mich ob es anders gelaufen wäre wenn ich nicht ausgezogen wäre.
Mein Mann sagt das es falsch ist nur sic die Schuld zu geben, aber er kann mich gut verstehen.
Er ist meine starke Schulter!

Eines werde ich nie ablegen, ich habe nie und ich werde nie ALKOHOL trinken!
Viele meiner Freunde haben leider ein Problem damit, zum Glück mein Mann nicht er trinkt auch kein ALKOHOL!
ICH hoffe das der Tag kommt wo ich das alles hinter mir lasse!

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