Carmens Geschichte

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann die erste Diagnose "Brustkrebs" gestellt wurde, ich schätze mal, es war so ca. 1994/1995. Meine Mutter hatte plötzlich Brustkrebs! Wieso sie? Ok, wir standen alle Operationen und Behandlungen gemeinsam durch; meine Mutter, mein Vater, mein Mann (damals noch Freund) und ich. "Man kann die Knoten ja herausoperieren", dass war unser Mantra, unser Hochhaltespruch.
Dann war erst mal über 4 Jahre Ruhe. Man sagt, wenn der Krebs nach 5 Jahren nicht mehr auftaucht, dann hat man ihn wohl überwunden.
Im Sommer 1999 heiratete ich. Es war ihr Herzenswunsch mich mit einem Hochzeitskleid zu sehen, denn meine Eltern heirateten damals nur standesamtlich. Sie war so glücklich an meinem Hochzeitstag und so stolz. Alles war in Ordnung.
Dann im November 1999 wieder diese niederschmetternde Nachricht. Wieder ein Knoten. Diesmal mußte im Februar 2000 eine Brust amputiert werden. Auch das haben wir irgendwie geschafft. Sie hatte zwar nur noch eine Brust, aber sie lebte!! Nur sie weiß, wie es innerlich in ihr aussah. Im Krankenhaus spielte ich die starke, erwachsene Tochter. Wenn man Kind ist, sind immer die Eltern die Starken. Es ist die Hölle, wenn man als Kind die Eltern so leidend, so schwach sieht. Kaum verließ ich das Krankenhaus brach alles über mir zusammen.
Die Brust war ab, es ging so langsam aufwärts. Meine Ma konnte sich sogar mittlerweile mit der Brustprotese "anfreunden"...
Anfang April 2000 sind meine Eltern sogar noch in den Süden geflogen! Alles lief prima. Dann kamen sie wieder, meine Ma hatte extreme Schmerzen in der Seite. Sie gingen zum Arzt.
Unglücklicherweise hatte ihr Hausarzt Urlaub, also mußten sie zu seinem Vertreter. Er diagnostizierte akute Lungenentzündung. Sie kam sofort in das nächstliegende Krankenhaus. Dummerweise nicht in das Krankenhaus, in der ihr Brustkrebs behandelt wurde. Die Ärzte dort hätten bestimmt bescheid gewußt.
Aber es ging ihr immer besser, sie bekam Antibiotika und wurde nach einer Woche entlassen. Sie wollte unbedingt aus dem Krankenhaus heraus, denn am nächsten Tag wäre ihr 52.ster Geburtstag gewesen.
Sie hatte keine Schmerzen mehr, alles schien ok. Mein Pa holte sie ab, sie fuhren nach Hause, im Hausflur rang sie plötzlich nach Luft, ihr wurde schwarz vor Augen und sie fiel um. Der Notarzt kam, reanimierte sie, aber sie konnten sie nicht stabilisieren. Mittlerweile hatte mein Pa meinen Mann informiert, dieser holte mich vom Büro ab und wir fuhren zum Krankenhaus. Wir wußten nicht was los war, nur, dass sie angeblich auf der Intensivstation sei. Ich wurde fast verrückt. Ich hatte doch morgens noch mit ihr telefoniert. Sie war so glücklich, dass sie heute rauskam, denn morgen wäre ja ihr Geburtstag.
Als wir auf der Autobahn zu ihr fuhren hörte ich plötzlich ihre Stimme. Sie sagte: "Carmen, ich muß mich von Dir verabschieden." Ich verstand die Welt nicht mehr.
Wir kamen am Krankenhaus an, mein Vater und meine Cousine saßen mit roten Augen draußen vor dem Eingang. Ich wollte endlich wissen was los ist. Er erzählte mir alles. Wir gingen rein. Dort waren schon meine anderen Verwandten. Die Ärzte kämpften und wir waren hilflos. Es war wie ein Albtraum.
Plötzlich kam einer der Ärzte heraus und teilte uns mit, dass meine Mutter verstorben sei und sie nichts mehr tun konnten. Sie starb an einer Lungenembolie! Da war ich gerade 27 Jahre alt.
Ich brach zusammen, fühlte mich wie von der Welt abgenabelt. Ich blickte kurz ins Zimmer, wo sie lag und schrie nur: "DAS ist nicht meine Mutter!" Sie sah so anders, so verändert aus.
Mir war immer bewußt, dass sie irgendwann an Krebs sterben würde. Aber ich hätte nie gedacht, dass sie so von jetzt auf gleich an einer Lungenembolie sterben würde.
Ich weiß nicht mehr genau, wie ich das halbe Jahr nach ihrem Tod überstanden habe. An ihrem Geburtstag mußten wir zum Beerdigungsinstitut und einen Sarg für sie aussuchen. Markaberes Geburtstagsgeschenk. Ich mußte für meinen Vater stark sein. Wäre mein Mann nicht gewesen, dann weiß ich nicht, wie ich das alles hätte durchstehen können. Meine Mutter war mein Leben. Wir hatten eines dieser ganz besonderen Mutter-Tochter-Verhältnisse.

Mittlerweile weiß ich, dass ihr Tod ein, mein ganz persönliches Geschenk von ihr an mich war. Es war mein sogenannter Weckruf. Ich habe in den jetzt fast 4 Jahren nach ihrem Tod Unmengen an Büchern verschlungen.
Sie hat sich sehr oft bei mir gemeldet. Auch heute noch stehen wir in Kontakt. Das kann nicht jeder verstehen.
Ich muß dazu sagen, dass die Frauen aus der Linie meiner Mutter alle ausnahmslos medial sind. Auch meine Mutter war es, ihre Mutter, ihre Schwester, meine beiden Cousinen und ich. Durch die Bücher lernte ich die wundersamen Erlebnisse, die ich seit ihrem Tod habe, zu verstehen. Unser enges Band verbindet uns noch immer und einen Tod als solches gibt es einfach nicht. Meine Tante sah sie richtig mit ihren Augen bei der Beerdigung meines Onkels. Bei meiner Cousine saß sie am Bett.
Meine Mutter hatte sich immer ein Enkelkind gewünscht. Genau ein Jahr nach ihrem Tod, an ihrem einjährigen Todestag sagte mir mein Arzt, dass ich schwanger sei. In der Schwangerschaft zeigte mir meine Mutter zweimal in einem Traum meine Tochter und was soll ich sagen: sie sieht genauso aus, wie meine Ma sieh mir zeigte!
Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde als wir Menschen uns vorstellen können!
Ich habe angefangen, mich ganz intensiv mit dem Jenseits zu beschäftigen. Dies war mein Weckruf. Mittlerweile arbeite ich bei einer Internetseite mit, die sich der Aufklärung über das Jenseits etc. widmet.
Alles hat seinen Sinn, auch wenn man es erst nicht sieht und erst recht nicht verstehen kann. Sie sind immer bei uns. Wir sind nie alleine.

Carmen

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