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Habe meine Mami nie richtig gekannt

 
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Julchen82



Anmeldedatum: 02.03.2016
Beiträge: 5
Wohnort: Würzburg

BeitragVerfasst am: 02.03.2016, 20:56    Titel: Habe meine Mami nie richtig gekannt Antworten mit Zitat

Hallo, ihr Lieben!
Ich bin ganz neu hier in diesem Forum und finde es klasse, dass es sowas gibt!!
Ich habe meine Mama verloren, als ich drei war - aber nicht im Sinne verloren, weil sie gestorben ist, sondern weil meine Eltern sich da scheiden ließen. Bei meiner Mutter wurde in dieser Zeit Chorea Huntington, eine unheilbare, grausame Krankheit diagnostiziert. Wir (mein 2 jahre jüngerer Bruder und meine 3 Jahre ältere Schwester) blieben also beim Vater.
Meine Mutter kam in ein Pflegeheim. Ich erlebte sie nie gesund. Ich kenne sie nur als sehr kranke Frau. Leider sprach mein Vater nur sehr, sehr schlecht von ihr - meinte, dass sie uns eh nie eine gute Mutter war und sich nicht um uns kümmerte. Ich glaubte das alles. Meine Mutter war mir immer fremd - obwohl wir sie hin und wieder mal besuchten.
Aber ich spürte immer, dass mir was fehlte. Ich fragte meinen Vater oft, wie sie denn war. Aber er konnte immer nur Schlechtes von ihr erzählen. Nun ist vor einem Monat auch mein Vater verstorben (meine Mutter starb nach langer Krankeit als ich 21 Jahre alt war). Mein Vater war ein "krankhafter" Sammler. Wir fingen also an, seine Sachen zu sortieren und wegzuschmeißen. Da fielen mir u. a. Briefe von meiner Mama an meinen Vater und auch an andere Leute, Tageeinträge von meiner Mutter in die Hände!!! Es war der hammer für mich!! Ich las alles durch und nun konnte ich ein wenig mehr über sie erfahren. Sie schien eine sensible und sehr freundliche Art gehabt zu haben. Und ich habe das Gefühl, ich bin ihr sehr ähnlich und das tut so gut! Es ist so schön, dass ein Teil von ihr in mir weiterlebt!!!
Ich merke nun aber, dass es mich mega beschäftigt und das ist wohl auch das erste Mal in meinem Leben, dass ich neben der Trauer um meinen Vater, auch um meine Mami trauer. Mir wird bewusst, dass ich nie eine Mama hatte.
Ich frage mich, wie das überhaupt ist, eine Mama gehabt zu haben. Ich kenne dieses Gefühl nicht. Ich frage mich manchmal, ob ich wohl überhaupt selber eine gute Mama sein kann. Was meint ihr?
(ich hoffe, mein Text war nicht zu lang Verlegen )
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Suba



Anmeldedatum: 09.04.2016
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 09.04.2016, 22:15    Titel: Mutter nicht gekannt Antworten mit Zitat

Hallo Julchen,
habe deinen Text gelesen und bin an deiner letzten Frage hängen geblieben,
denn ich bin nun Mutter von einer bezaubernden 8 Monate alten Tochter und habe mir diese Frage auch oftmals gestellt.
Vielleicht kurz zu meiner Geschichte(wenn kurz überhaupt möglich ist...)
Ich habe meine Mutter mit 2 Jahren an Krebs verloren, kann mich also garnicht an sie erinnern, was das ganze wahrscheinlich nicht unbedingt leichter macht, denn so wie du, bin
Ich neugierig zu wissen, was man gemein hat mit seiner Mutter.
Danach bin ich bis ich 6 war zum größten Teil bei meiner Oma aufgewachsen, da sie mit im Hause gewohnt hat und mein Vater arbeitete.
Natürlich hat er auch eine neue, viel zu junge Freundin kennen gelernt, was zuerst ganz toll war, sich aber meiner Pubertät( und das nicht wegen mir) zum Gegenteil gewendet hat und ich sehr unter ihr gelitten habe. Als ich alt genug war es zu merken, wurde mir dann auch noch klar, dass mein Vater alkoholiker war. Naja, schwer alles in so einen kurzen Text zu fassen.
Auf jeden Fall hatte ich vor einigen Jahren schwere Probleme mit mir selber, bekam Angstzuständen, und das, wo doch eigentlich alles auf einmal perfekt war. Habe auch eine Therapie hinter mir und versuche nun so gut es eben geht eine tolle Mutter sein, auch wenn ich nicht wirklich weiß, was das überhaupt heißt. Aber ich möchte meiner Tochter auf jeden Fall das geben, was ich nie hatte.
Falls du oder auch jemand anders Lust hat, sich auszutauschen, würde ich gerne antworten, denn ich habe bis jetzt noch nie mit jemandem gesprochen, der das gleiche Schicksal teilt.
Liebe Grüße
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Julchen82



Anmeldedatum: 02.03.2016
Beiträge: 5
Wohnort: Würzburg

BeitragVerfasst am: 17.04.2016, 20:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Suba!
Vielen Dank für deine Antwort. Ich hab mich sehr darüber gefreut, wenngleich mich dein Schicksal echt traurig macht. Es tut mir sehr leid für dich, was dir alles wiederfahren ist.
Hattest du deinen Vater mal gefragt, wie deine Mutter so war? Konnte er dir darüber was erzählen oder war es wie bei mir, dass er nichts dazu sagen konnte? Dass es bei ihm wie weggewischt war? Ich habe vor ein paar Jahren (eher durch Zufall) Kontakt zur Verwandtschaft mütterlicherseits aufgenommen (die wollten nach der Scheidung meiner Eltern nichts mehr von uns wissen und hatten jeglichen Kontakt zu uns abgebrochen). Ich habe dann ganz viel über meine Mutter gefragt und das hat mir sehr geholfen, irgendwie überhaupt ein Bild von ihr zu bekommen. Und naja... nun auch all die Briefe, die ich von ihr gefunden habe, haben mir echt geholfen. Aber das ersetzt natürlich den Verlust überhaupt nicht. Ich vermisse sie nur stärker denn je...
Ich habe hier aber von einem Buch gelesen, welches sehr gut sein soll, was aber leider vergriffen ist: Das heißt "Töchter ohne Mütter" von Hope Edelman. Ich habe es auf Umwege in einer Uni-Bibliothek ausleihen können und am Donnerstag ist es angekommen. Ich habe angefangen, darin zu lesen und habe wirklich das Gefühl, dass es mir ein wenig helfen kann. Vielleicht findest du es ja auch.
Ich würde mich gern noch weiter mit dir darüber austauschen, wie es ist, ohne Mutter aufgewachsen zu sein.
Sorry, dass ich mich erst so spät wieder gemeldet habe. Meine letzte Zeit war sehr stressig.
Wie geht es dir sonst so? Hattest du auch lange ein Problem damit, dich als Frau zu fühlen, zu wissen, wie man sich anzieht usw.? Ich hatte damit echt lange ein Problem.
Auch fühl(t)e ich mich manchmal so unglaublich mutterseelenallein, mich völlig verlassen etc. Kennst du das auch?
Freue mich, von dir zu hören, liebe Suba Smilie
Liebe Grüße, Julchen
PS: Gerne können wir uns auch persönlicher darüber austauschen (über Email oder so)
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