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Wann hört es endlich auf so wehzutun?

 
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Emilia



Anmeldedatum: 03.04.2012
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 03.04.2012, 22:34    Titel: Wann hört es endlich auf so wehzutun? Antworten mit Zitat

Als ich 7 Jahre alt war, ist meine Mama an Lungenkrebs gestorben. Jetzt bin ich 20 Jahre alt und fange erstmals damit an mich richtig mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen. Wenn ich mich an die Zeit mit meiner Mama zurück erinnere, habe ich fast nur Erinnerungen aus der Zeit in der meine Mama krank war. Das war für mich damals alles völlig normal. Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, habe ich wohl schon damals irgendwie geahnt, dass sie irgendwann sterben wird. Ich kann mich an eine Situation erinnern, dass ich abends weinend vor meiner Mama gesessen habe und gefragt habe, wer denn dann die Weihnachtsgeschenke einpacken soll wenn sie nicht mehr da ist. Als sie dann im Januar 2000 starb, war das für mich trotzdem sehr komisch. Alles war plötzlich so anders. Das Schlimmste waren diese kindlichen Rituale, die mich mit meiner Mama so sehr verbunden haben. Die abendliche Geschichte und für mich damals das aller aller Schlimmste das "Gute Nacht Küsschen". Das waren Dinge die mir ganz besonders gefehlt haben.

Mit der Zeit hat sich dann aber auch alles ohne meine Mama eingespielt. Es musste ja weitergehen..Meine Oma und vorallem mein Opa haben von da an eine Art Elternersatz für meine Schwester und mich gehabt, da mein Papa tagsüber immer lange arbeiten musste. Als ich 9 Jahre alt war kam mein Opa den ich immer schon so sehr angehimmelt habe dann ins Krankenhaus und das letzte an was ich mich erinnere war ein Anruf von mir "Opi, wann kommst du endlich wieder nach Hause". Dann ist auch mein Opa gestorben. Zu der Zeit kamen mir erstmals die Gedanken "Warum ich?" Die wichtigsten Menschen in meinem Leben werden mir einfach so weggenommen..

Als ich 16 Jahre alt war kam die Zeit, dass es auch meiner Oma nicht mehr so gut ging. Sie wohnte eine Wohnung unter uns und war nicht mehr gut zurecht. Mein Papa war in den Urlaub gefahren und meine Tante hat bei uns geschlafen um ein wenig auf Oma aufpassen zu können. Am letzten gemeinsamen Abend haben meine Oma, meine Tante, meine Schwester und ich noch gemeinsam ein Spiel gespielt, bevor ich ins Bett ging. In der Nacht kam meine Tante dann ganz aufgeregt in mein Zimmer und sagte mir, ich müsse ihr helfen, Oma gehts nicht gut. Als ich unten ankam sah ich etwas, was ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Meine Oma lag auf dem Boden und war nicht mehr ansprechbar. Sie war auf dem Weg zur Toilette hingefallen. Meine Tante und ich haben sie dann gemeinsam zurück ins Bett getragen. Danach bin ich weinend und völlig zitternd zurück in mein Bett gegangen und hatte so einen komischen Geruch in der Nase, den ich auch noch Tage später nicht aus der Nase bekam. Als ich am nächsten Morgen zur Schule ging habe ich nur schnell "tschüss" gerufen und als ich mittags nach Hause kam, stand mein Onkel schon in der Tür und sagte, dass Oma im Krankenhaus liegt und sie sterben wird. Nachmittags sind dann alle gemeinsam ins Krankenhaus gefahren um sich zu verabschieden, aber das konnte ich nicht. Ich hatte immernoch dieses schlimme Bild von der Nacht davor ich Kopf und hatte Angst sie nochmal so klein und krank zu sehen. In der Nacht ist dann auch sie gestorben. Unser zu Hause wurde von Jahr zu Jahr einfach immer leerer.

Als ich 18 Jahre alt war, kam dann die nächste schreckliche Nachricht. Mein Cousin ist mit 14 Jahren auf einen Zug geklettert und ist an die Oberleitung gekommen. Mein erster Gedanke "nicht schon wieder". Nach ein paar schwierigen Tagen im Krankenhaus stand fest, dass er diesen Unfall nicht überleben wird. 3 Tage nach dem Unfall ist er an seinen Verletzungen gestorben. Nach dem Tod meines Cousins kam bei mir erstmals alles wieder hoch. Vorallem der Tod meiner Mutter. Seitdem liege ich oft abends im Bett und muss weinen. Tagsüber hab ich das dringende Bedürfnis mich irgendwie mit der Krankheit und generell mit dem Thema Tod auseinander zu setzen. Bis vor 2 Jahren habe ich nie gemerkt, was mir fehlt. Die letzten Jahre ist mir aber bewusst geworden, wie sehr ich meine Mama vermisse. Jeder erzählt mir von Gesprächen mit seiner Mutter. Ich würde alles dafür geben nur mal ein ernstes Gespräch mit meiner Mama zu führen. Mich mit ihr auszutauschen, shoppen zu gehen und sie nach Dingen zu fragen, die man mit einem Vater einfach nicht besprechen kann. Jeden Tag frage ich mich, wie wär mein Leben bis jetzt verlaufen, wenn ich noch meine Mama hätte.

Vor einer Woche kam ein Anruf meines Onkels, dass meine Tante sich umgebracht hat..Ich kann das einfach alles nicht glauben. Meine Tante war für mich immer die liebste Tante überhaupt..Jetzt lese ich jeden Abend die letzten Nachrichten von ihr und denke über das letzte Treffen nach und hab im gleichen Augenblick das Bild des Sargs vor mir. Das ist einfach so verdammt irreal alles. Das jüngste Kind ist auch gerade 7. Ich kann mich gerade so sehr in ihr wieder entdecken. Sie lächelt und man hat das Gefühl alles ist gut wenn man ihr vor den Kopf guckt. Aber wenn ich darüber nachdenke, dass sie ihr ganzes Leben nun ohne Mama vor sich hat, macht mich das einfach unglaublich traurig...

Ich würde so gerne mal von diesen ganzen Gedanken wegkommen. Aber ich schaff es einfach nicht aus der Trauer rauszukommen, wenn ich immer wieder direkt in die nächste geworfen werde..

Liebe Grüße
Emilia
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K-K



Anmeldedatum: 15.01.2011
Beiträge: 102

BeitragVerfasst am: 08.04.2012, 22:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Emilia,

mein Beileid bezüglich all denen, die du verloren hast.
Ich kann mir gut vorstellen, wie es dir geht.
Dieses "nicht aus der Trauer herauskommen".
Ich habe auch meine Mama verloren und ich habe einen kranken Bruder und im moment auch einen kranken Vater. Ich hoffe, dass ich die beiden nicht auch noch verliere. Ohne die beiden hätte ich niemanden mehr.
Ich weiß genau was du meinst mit "warum ich"? Wer denkt sich bitte so eine Lebensgeschichte für uns aus? Warum? Können wir nicht auch einfach ein schönes und sorgenfreies Leben haben, wie andere?
Wir sind noch so jung und haben schon so vieles erlebt, was uns geprägt hat. Oft komme ich mir viel desillisionierter vor, wie der Rest der Welt. Alle um mich herum sind fröhlich, haben ein schönes Leben. Nur man selbst ist irgendwie gefangen in einer kuriosen Welt.

Es tut mir Leid, was du alles erleben musstest. Das prägt einen.
Ich frage mich auch, wie man in solchen Situationen Dinge noch schön finden kann im Leben.
Da ich auch oft nicht so gut drauf bin, hat mir jetzt eine Ärztin geraten eine Psychotherapie anzufangen. Um mit meinem Leben klar zu kommen und weniger Angst vor der Zukunft zu haben. Bisher habe ich damit noch nicht angefangen. Aber vielleicht hilft dir sowas?
Ich hoffe du hast gute Freunde, die dich auffangen im Leben. Sowas ist sehr wichtig.

Ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft!
Und ich hoffe, dass du auch wieder Mut bekommen wirst und nicht aufgibst, dass das Leben doch noch schön werden kann, zusammen mit deinen Lieben im Herzen.
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Tränenreich



Anmeldedatum: 03.06.2012
Beiträge: 2
Wohnort: Virnheim

BeitragVerfasst am: 03.06.2012, 10:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Ich glaube weh tut es immer, aber es wird schwächer und man fühlt es nicht mehr so oft und so intensiv, hoffe ich zumindest!

Tut mir leid um deine Verwandten und um dich das ist schon echt heftig!

Liebe Grüße
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