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Ich vermisse sie schrecklich....

 
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sammy



Anmeldedatum: 20.02.2016
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 20.02.2016, 16:06    Titel: Ich vermisse sie schrecklich.... Antworten mit Zitat

Im März sind es nun schon zwei Jahre her, dass sich meine Mutter das Leben genommen hat.
Es hat alles im Dezember 2013 angefangen. Meine Mutter war Lehrerin und wurde als es gen Winter ging immer zurückgezogener. Sie hat viel am Schreibtisch gesessen und gearbeitet und wohl auch immer schlechter geschlafen. Eines morgens ist sie am Frühstückstisch zusammen gebrochen und sagte, dass sie das alles nicht mehr schaffen würde mit der Arbeit. Wir sprachen mit der Familie über die Situation und meine Mutter entschied sich zum Arzt zu gehen, was sie sonst nie tat. Als sie mit einer Krankmeldung und der Diagnose "Depression" nach Hause kam, war sie vollkommen am Boden zerstört. Wir kümmerten uns schnell um eine Therapeutin für sie, aber nachdem diese sie beim ersten Besuch nicht direkt wundersamer Weise heilen konnte, ging es meiner Mutter zusehend schlechter. Sie nahm ab, war blass und nur noch traurig. Sie wollte niemandem erzählen, dass sie Depressionen hatte und konnte die Krankheit einfach nicht akzeptieren. Nach ca. einer Woche Krankschreibung saß ich morgens mit ihr am Tisch und wir wollten uns einen schönen Shopping-Mädels Tag zum Ablenken machen. Sie war jedoch total fertig und ich fragte sie was los sei. Sie sagte, wir wären besser dran ohne sie. Sie wäre nur eine Last für uns alle. Da ich zu dem Zeitpunkt Medizin studiert habe gingen bei mir direkt die Alarmglocken an und ich fragte sie, ob sie schonmal überlegt habe sich umzubringen und sie sagte "Ja, vielleicht wäre es besser wenn ich nicht mehr da wäre". Ich redete lange mit ihr und entschied mich mit ihr in eine psychatrische Klinik zu fahren. Wir wollten uns nur mal die Möglichkeiten anhören- Tagesklinik, ambulanter oder stationärer Aufenthalt. Im Auto hielt ich die ganze Zeit die Hand meiner Mutter. Die Rollen waren vertauscht. Ich musste auf einmal stark und für sie da sein. Als wir dort ankamen hatten wir einen schrecklich unsensiblen Arzt, der sich mit meiner Mutter alleine unterhielt und sich dafür entschied sie direkt mittels Psych KG in die geschlossene zu stecken. Die nächsten Stunden waren die schrecklichsten meines Lebens. In der geschlossenen war es wie in einem Horrorfilm. Meine Mutter war nur noch eine wandelnde Hülle ihrer selbst. Sie bekam direkt Tavor, was sie ruhiger machte und zum Glück entschied der Stationsarzt ein paar Stunden später, dass sie doch auf die normale Station gehen sollte. Sie musste keine Nacht dort verbringen.
Die nächsten drei Monate verbrachte sie in der Klinik. Es brachte so gut wie nichts. Sie nahm die Therapien nicht an, hielt alle dort Arbeitenden für Quaksalber und machte es quasi nur um uns einen Gefallen zu tun, auch wenn sie selber nichts davon hielt. Ich wusste das auch zu dem Zeitpunkt, jedoch sah ich einfach auch keine anderen Möglichkeit. Sie war offenbar krank aber wollte sich einfach nicht helfen lassen.
Nach drei Monaten kam sie nach Hause. Es ging ihr zum Ende in der Klinik besser, jedoch war Zuhause die Enttäuschung riesig, dass nicht alles direkt zu klappte wie vorher und sie nicht wieder "die Alte" war. Nach ca einer Woche verschwand sie als ich gerade in der Badewanne war. Zunächst dachte ich sie sei nur einkaufen, aber als sie auch ein paar Stunden später nicht wiederkam informierten wir die Polizei und fanden zudem ihre leere Antidepressiva Packung Zuhause. Nach zwei schreckliche n Tagen und Nächten fanden wir dank eines Facebook Aufrufs ihr Auto. Wir fuhren sofort an die Stelle und mein Bruder fand sie tot im Wald. Sie hatte sich eine Decke mitgenommen, eine Flasche Wasser und ihre Pillen genommen. Ich ging zu ihr und setzte mich neben sie.
Nun ist ihr Tod im März bereits zwei Jahre her. Mein Leben ist weitergegangen, keine Frage. Ich habe mittlerweile eine tolle Beziehung in der ich sehr glücklich bin und bin fertige Ärztin. Und doch vermisse ich meine Mutter so schrecklich, dass es unglaublich weh tut wenn ich an sie denke. Sie war nicht nur meine Mutter, sondern auch meine beste Freundin, Beraterin und größte Kritikerin. Die Vorstellung dass sie nicht bei meiner Hochzeit dabei sein wird und niemals meine Kinder kennen lernt schmerzt so sehr, dass ich es kaum aushalte. Die Tage an denen der Schmerz schrecklich und unaushaltsam ist werden weniger, aber trotzdem habe ich das Gefühl dass sie einen riesigen Teil meines Herzens mit sich genommen hat. Ich wünschte so sehr ich könnte noch einmal mit ihr sprechen, in ihrem Arm liegen oder mit ihr mit dem Hund gehen. Ihr sagen wie sehr ich sie liebe und dass es uns nicht besser geht ohne sie und sie keine Belastung für uns war sondern die beste Mutter der Welt, auch in der Zeit wo sie krank war...

Es tut gut gerade meine Gefühle runterzuschreiben, auch wenn das hier vielleicht niemanden interessiert hat es mir doch gerade an einem verregneten Samstag Nachmittag geholten.......
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warheart



Anmeldedatum: 30.03.2016
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 30.03.2016, 04:28    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe eben ein Account erstellt um dir zu sagen, dass es uns doch interessiert! All das klingt sehr schrecklich und ich wollte dir nur ein paar Umarmungen schicken. Hoffentlich bin ich nicht zu spät dran.
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SamTaka



Anmeldedatum: 03.11.2013
Beiträge: 3
Wohnort: Stuttgart

BeitragVerfasst am: 09.11.2016, 21:27    Titel: Ich verstehe dich Antworten mit Zitat

Hallo sammy,

Zuerst einmal : es tut mir schrecklich leid. Ich kann verstehen wie es dir geht und vor allem wie schrecklich auch die 2 tage und nächte der ungewissheit waren.

Meine Mama hatte auch Depressionen. Mein vater hat Suizid begangen 4 wochen nachdem sie gestorben ist. Das ganze ist jetzt 3 jahre her und es gibt tage wie heute, da fühle ich mich als sei es gestern gewesen.

Wenn du dich unterhalten willst, ich bin offen.
Ich fühle mich wie du. Sie fehlt mir unerträglich.

Du lannst dich gern per privatnachricht melden.

Liebe grüsse
Sam
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